| Mai
2001 - Von Lausanne nach Olten Frühlingserwachen... |
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Im Winter ziehe ich komplett nach Zürich
um, gebe mein Münchner Dasein auf und beginne in Zürich mit Margrit ein
neues Leben - neue Wohnung, neue Umgebung, neuer Arbeitsplatz. Den ganzen
April habe ich frei und ich freue mich schon darauf, eine längere Frühlings-Velotour
zu unternehmen, aber das Wetter macht mir leider einen Strich durch die
Rechnung und ausser ein paar kleineren Tagestouren liegt leider nichts
für mich drin. Ende Mai bietet sich mit dem Christi-Himmelfahrt-Donnerstag
ein längeres Wochenende an. Das Wetter soll schön bleiben, einer Tour
steht nichts im Wege. Die voriges Jahr in Solothurn abgebrochene Reise
kommt mir in den Sinn. Besonders die nicht "erfahrenen" Gegenden um den
Bieler und Neuchateler See. Wir kommen überein, das Pferd von hinten aufzuzäumen
und fahren am Donnerstag Morgen mit dem Zug nach Lausanne um von dort
aus der ausgeschilderten "Mittellandroute" nach Norden zu folgen. Ich
bin mit dem Pacer Arrow unterwegs, weil ich die Klettereigenschaften und
das erheblich geringere Gewicht gegenüber dem Utopia London vorziehe.
Um 8.34 geht unser Zug vom Zürcher Bahnhof ab, ein IC mit angehängtem Gepäckwagen. Gemütlich laden wir die Velos ein und geniessen die Fahrt durch die schöne Landschaft. Besonders reizvoll sind die letzten Minuten bis Lausanne, denn dort führt die Bahnlinie etwas oberhalb des Genfer Sees durch die Weinberge und beschert uns eine bemerkenswerte Aussicht auf den See, der im gleissenden Sonnenlicht vor uns liegt. Die ersten Kilometer ab Lausanne teilen wir uns mit der Ausfallstrasse nach Genf, jedoch mit einem eigenen Velostreifen. Einmal fahren wir direkt durch die Liegewiesen am Seeufer, wo heute an Christi Himmelfahrt natürlich die Hölle los ist. Die Gegend hier ist schon noch eine Stufe eindrücklicher als der Zürichsee, der Genfer See ist eben grösser und die ihn einschliessenden Berge sind höher... Nach einiger Zeit treffen wir auf das Flüsschen Venoge, dem wir bald nach Norden folgen. Der Ausfallverkehr bleibt allmählich hinter uns, Vorortsiedlungen und Industrieanlagen auch und wir tauchen in einen Auwald ein - nach dem grellen Mittagslicht eine Wohltat. Auf holprigen Waldwegen geht's dahin. In der Annahme, dass wir entlang der Strecke
eine Gartenbeiz nach der anderen finden würden, haben wir unsere Wasserflaschen
am morgen nicht gefüllt, was sich jetzt rächt. Wir arbeiten uns durstig
einige Anhöhen hinauf, geniessen die Aussicht über die Landschaft mit
den blauen Jurahöhen im Hintergrund, sind enttäuscht weil wir in den Dörfern
keine Wirtschaft finden, werden müde weil wir ein paar Kilometer lang
eine langweilige Passage am Bahndamm entlang zu bewältigen haben, bis
wie in La Sarraz endlich ein Café finden, dass mit Kaffee, Apfelschorle
und Eis aufwarten kann. Das hebt natürlich die Stimmung gewaltig und lässt
die Lebensgeister zurückkehren. Anschliessend fährt sich's wieder leicht dahin,
ausserdem wird uns gerade eine kilometerlange Abfahrt ins Vallee d'Orbe
geschenkt. Über dem Jura - links voraus - braut sich ein Gewitter zusammen,
wir haben noch 15 km bis Yverdon zu fahren, wo wir heute übernachten wollen.
Aber diese 15 km sind brettl-eben, der Wind schiebt von hinten und es
rollt einfach prima! Der Neuchateler See lässt sich schon erahnen, links
sieht man am anderen Talrand ein grandioses Schloss mit vier runden Türmen
stehen, doch allmählich verschwindet die Sonne hinter den Gewitterwolken
und der Wind frischt auf. Aber da sind schon die Vororte von Yverdon erreicht
und nach einiger Suche (es sind viele Touristen unterwegs...) finden wir
Unterschlupf in einem Motel. Abends spazieren wir noch durch dieses wunderbare
Städtchen und essen in einem italienischen Strassenrestaurant, es tröpfelt
dazu und die violetten Gewitterwolken ergeben einen wunderbaren Kontrast
mit dem von der Sonne beschienen Natursteinhäusern. Wir stellen fest, dass die "Welschen"
sehr freundlich sind (sogar die Rennradfahrer grüssen uns - die blicken
sonst immer nur verächtlich auf uns langsame Schnecken herab), dass die
Gegend hier uns sehr an typisch französische Landschaften erinnert und
dass es uns einfach gut tut unterwegs zu sein. Am Morgen ist es noch recht kühl und Wolkenreste vom nächtlichen Gewitter hängen noch in der Luft. Wir versorgen uns nach dem Frühstück im Supermarkt erst mal mit Proviant, bevor wir uns auf den Weg machen. Die erste Stunde müssen wir an einer Bundesstrasse
mit mässigem Autoverkehr entlang fahren, bevor wir Kontakt mit dem See
bekommen, der an dieser Seite mit Schilf zugewachsen ist. In schöner Abwechslung
geht es aber bald entweder durch Feriensiedlungen oder durch Naturschutzgebiete.
Der erste Höhepunkt des Tages ist eine
messingfarbene Blindschleiche, die sich gerade noch vor den Veloreifen
in Sicherheit bringen kann. Wir kurbeln die Strasse nach Estavayer-le-Lac
hinauf, sind begeistert von dem kleinen Städtchen, der schönen Aussicht
über den See. Die erste Kaffeepause wird fällig. Während dieser Zeit hat
sich das Wetter geändert und von der anderen Seeseite ziehen Gewitter-
oder Regenwolken heran. Wir fahren jetzt auf einer Art Plateau ca. 100
Meter über dem See dahin und wissen nicht so recht, ob wir die Regenkleidung
anziehen sollen oder nicht. Schliesslich fängt es dann aber doch zu regnen
an, wir finden jedoch rechtzeitig eine Gartenwirtschaft mit überdachter
Terasse, wo es eine weiter Pause (mit Kaffee, Apfelschorle und Eis) gibt.
Der Regen lässt bald nach und wir können trockenen Leibes weiterfahren.
Langsam kommen wir in die Ebene zwischen dem Murten-, dem Bieler- und
dem Neuchateler See und nähern uns dem heutigen Etappenziel, einem Bauernhof
im kleinen Örtchen Ins. Dort kann man auch "Schlaf im Stroh" praktizieren.
Als wir aber am nächsten Morgen die verschlafenen Gesichter der anderen
Gäste sehen, sind wir im Nachhinein froh um unser Doppelzimmer... Zuerst fahren wir querfeldein hinunter
zum Bieler See. Die erste schöne Aussicht an diesem Tag! Doch dann werden
wir wieder kilometerlang von einer Bundesstrasse begleitet, bis wir wieder
direkt an den See dürfen - eine Wiederholung des Vortages. Irgendwie gefällt
uns der Bieler See nicht so gut. Das gegenüberliegende Ufer mit den Weinbergen
erscheint uns irgendwie kahl. Um die Mittagszeit verlassen wir den See
mit dem Aare-Kanal und folgen nun der Aare entlang nach Norden. | |||
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