Mittwoch, 11.9. - Port Navalo bis Penvins, 38 km

Ostwindlage! Traumwetter! Morgenbläue über dem Meer. Zuerst sieht man uns mit all unseren Habseligkeiten runter zum Hafen rollen und frühstücken. Dann sind wir auf Piste. Ziel ist es unter Vermeidung der grossen D 780 einen der Campingplätze in der Nähe des Chateau Suscinio zu erreichen. Es dauert ein Weilchen bis wir wirklich fernab vom Verkehr unsere Bahnen ziehen, denn trotz der 1:25.000er Regionalkarte finde ich den richtigen Weg nicht, aber schliesslich kommen wir auf einem extra für Radfahrer ausgeschildertem Strässlein heraus - hört, hört, sowas gibt's also hier auch…

In St. Gildas de Rhuys gibt's eine Abtei zu besichtigen, Granit mit Flechten, violette, schon halb verblühte Hortensien, die Stände des Wochenmarktes werden gerade abgebaut. Die Gegend hier an der Südküste ist zersiedelt, riesengrosse Arreale werden mit Ferienhäusern bebaut. Oder es sind Altersresidencen. Oder Wochenenddomizile. Wer kann hier schon auf Dauer leben? Und von was?

Immer wieder kommen wir mit dem Meer in Berührung, auch hier sind die Muschelsucher auf den von der Ebbe freigelegten tangbedeckten Felsen unterwegs oder arbeiten mit Körben und Werkzeugen in den Austerngärten.
Kurz bevor wir unsere Räder einen Kilometer lang durch einen Strandweg mit knöcheltiefen Sand stossen, kommen uns die ersten bepackten Reiseradler hier in der Bretagne entgegen. Irgendwie hätte ich mehr Radler erwartet. Vielleicht ist's schon zu spät im Jahr? Dabei herrscht zur Zeit ein angenehmes Klima, sogar während der Regentage ist es mild (ausserdem ist es heute sowieso heiss wie im Hochsommer).

Chateau Suscinio. Als ich vor neun oder zehn Jahren das letzte Mal hier war fiel das Auge auf eine Ruine. Inzwischen wurde sehr viel getan, die runden Türme stehen wieder und das Dach ist schiefergedeckt. Und es wird weiter renoviert. Wir machen Pause in der Crêperie im Nachbarort. Die Musik einer regionalen Musikgruppe tönt aus dem Lautsprecher, Rockmusik mit bretonischen Elementen, irgendwie wie Jethro Tull auf modern… wieder mal Musik die ich zuhause nicht bekommen werde. Einer spontanen Eingebung zufolge frage ich den Kellner ob ich wegen Beschaffungsschwierigkeiten in der Schweiz die CD hier mitnehmen könnte und grinsend überlässt er mir sein Exemplar - ich merke, dass ich nach drei Wochen Abstinenz meine Gitarren vermisse.

Gleich hier in der Nähe ist ein Campingplatz in der Landkarte eingezeichnet. Der hat sogar offen, allerdings nur mehr für die Dauercamper, Toiletten und Duschen sind geschlossen…äh…waschen sich Dauercamper nicht? Dafür werden wir einen Ort weiter, in Penvins, fündig. Wir checken auf einem riesigen Zeltplatz ein, der fast leer ist, aber einen Schwimmbecken mit Whirlpool für uns hat! Den nutzen wir natürlich noch aus, das Wetter ist ja danach. Als ich nachts nochmal aus dem Zelt muss, sehe ich zum ersten Mal seit langem wieder mal die Milchstrasse am sternenklaren Nachthimmel.




Donnerstag, 12.9. - Penvins bis Vannes, 32 km

Wie zu erwarten lacht die Sonne vom Himmel. Erstaunlicherweise ist das Zelt trocken - kann mich nicht erinnern, dass ich das Zelt jemals trocken mit nach Hause hätte nehmen können.

Mit dem Bewusstsein, dass heute unser letzter Reisetag ist, rollen wir ganz langsam dahin, kleine Strassen um die Ostküste des Golfs herum, alles ist ruhig und klar und blau. Einmal fliegt eine Schar weisser Schwäne über uns, gefolgt von einem Ibis-artigen weissen Vogel mit schwarzem Kopf und Hals und schwarz gesäumten Flügeln. Wir versuchen auf einer kleinen Landzunge eine Fähre zu bekommen, um auf der anderen Seite einer kleinen Strasse nach Vannes folgen zu können. Aber Fährbetrieb ist hier nur im Sommer, also im Juli und August. Macht nix, war nur ein kleiner Umweg, dafür können wir nochmal eine schöne Aussicht geniessen.

Sonderbarerweise bricht mir auf der Zielgeraden eine Speiche am Hinterrad, warum gerade jetzt noch, so kurz vor Urlaubsende? Naja, zuhause wird repariert…

Irgendwann ist Schluss mit den kleinen Strassen und wir müssen uns wohl oder übel zum Verkehr auf den Einfallstrassen gesellen, auf der wir am frühen Nachmittag Vannes erreichen. Wir vertreiben uns noch so gut es geht die Zeit in der Stadt, denn unser Zug geht erst kurz vor 21:00 Uhr. Später noch eine Sonderaktion: wir ziehen uns auf ein Bahnsteigende zurück und ich schraube unsere Räder auseinander. Gepäckträger, Schutzbleche, Laufräder, Lenker, alles wir demontiert und mit Klebeband und Mülltüten zu einem kompakten Bündel verschnürt. Und irgendwann fährt unser Zug ein und man hilft uns sogar noch unsere Sieben Zwetschgen in den Waggon zu laden. Alles passt gerade so in unser Abteil, und bald stehen wir noch glücklich mit von Kettenfett verschmierten und notdürftig gewaschenen Händen mit einem Bier in der Hand da und erzählen uns immer wieder Episoden dieser herrlichen Reise nach…







Freitag, 13.9. - Zürich

Um acht Uhr bekommen wir vom Stewart unser Frühstück serviert. Der grinst schon seit gestern über beide Ohren als er unser vollgestopftes Abteil sieht. Draussen das Rhonetal im Morgenlicht - wäre das nicht auch eine Gegend zum Er-radeln? Aber das hab ich mir ja schon auf der Hinfahrt überlegt. Um 9:23 sind wir in Genf. Kaum zu glauben, dass wir letzten Abend noch in Vannes am Bahnsteig standen. Um 13:00 Uhr treffen wir am Zürcher Bahnhof ein, benötigen als letzte Aktion noch zwei Taxis nach Hause, weil zwei zerlegte Velos samt Packtaschen immer noch zu gross für einen einzigen Kofferraum sind!

 
 
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