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Montag, 4. Mai. Von Ehingen nach Lauingen (82 Km)

Also, wie gesagt, heute wird Strecke gemacht. Wobei die Etappe ja letztendlich gar so lang nun auch wieder nicht werden wird, ist für mich persönlich halt eher landschaftlich eine Durststrecke und das Wetter ist auch danach. Die Temperaturen bleiben erstmal im einstelligen Bereich, es hat die ganze Nacht geregnet und nach dem Frühstück sieht's draussen nicht gerade gemütlich aus. Dieses Frühstück ist nun so eine Sache. Augenblicklich herrscht ja überall diese Hysterie wegen der Schweinegrippe, die sich von Mexiko aus ausbreitet (aber anscheinend bei uns recht harmlos verläuft). Als ich den Frühstückraum betrete ist grad noch ein Platz neben vier Arbeitern frei. Und wie sich im Folgenden heraus stellt, kommen diese vier, es sind Monteure, geradewegs aus Mexiko. Die Pächterin des Hotels - mit besagten Jungs im Gespräch - scheint dieselbe Nationalität zu besitzen und weil ich gar so nah dran sitze und jeden Ton mithöre, aber kein Wort verstehe, erklärt sie mir ab und zu, über was sich die Leute da grad unterhalten. Ist ja ganz nett. Aber ich beobachte mich selber dabei, wie ich dann doch erstmal schlucke, als ich die Herkunft meiner Tischnachbarn registriert habe. Obwohl ich mich von der ganzen Hysterie bisher noch nicht hab anstecken lassen, bin ich dann doch nicht gänzlich frei von der Beeinflussung durch die Medien…

Natürlich ist das alles schnell vergessen, als ich beim Aufbruch alles an Klamotten überziehe, was die Packtaschen so hergeben. Leichter Regen und die Temperaturen im Keller, so dienen die paar hundert Meter bergauf vom Hotel bis zur Hangkante dazu, den inneren Ofen erstmal anzuheizen. Oben angekommen hätte man eigentlich ein schönes Panorama mit dem Fluss und den angrenzenden Ländereien vor sich, wenn da nicht diese Fabrik (oder das Kraftwerk) dort unten die Aussicht stören würde. Heute ist eh alles grau in grau und so bleibt die Kamera in der Packtasche.

Bis nach Ulm geht's recht flott dahin, da kann man dem Pferd auch mal die Zügel etwas locker lassen und die Geschwindigkeit erhöhen. Wieder ist es ruhig auf den Feldern und Fluren, ausser mir noch eine Schar Graugänse, auf den Tag verteilt eine Handvoll Goldammern und ein paar neugierige Kiebitze und ein Vogel, in dem ich einen Kuckuck zu erkennen glaube. So bin ich bald auf der Einflugschneise nach Ulm, sehe die Iller sich in die Donau ergiessen, rolle in Ulm an der Stadtmauer vorbei, gleite durch die Parkanlagen stadtauswärts und pedaliere wie in Trance durch Thalfingen, Ober- und Unterelchingen hindurch, bis sich endlich der Strassenlärm hinter mir verliert und ich bei Weisslingen in den Donauwald eintauche und den gut rollenden Asphalt gegen nasse und vollgesogene Naturwege unterschiedlicher Qualität eintausche, mich im Slalomkurs zwischen Schlaglöchern und Schnecken vorwärts bewege. Auf Dauer ist das halt furchtbar langweilig. Ist eben ein grüner Korridor. Anfangs empfinde ich es immer ganz nett, das Lichtspiel im Laub auf sich wirken zu lassen, all die verschiedenen Grüntöne und das Vogelgezwitscher, doch das alles wird schnell monoton. Daran ändert sich auch nicht viel, als der Weg direkt an der aufgestauten und begradigten Donau entlang geführt wird. Es sind wohl um die 20 bis 25 Kilometer "Grüne Hölle", bis man kurz vor Gundelfingen wieder "Land gewinnt".

Nachdem das überstanden ist und ich noch heil an Leib und Seele bin, nähere ich mich meinem Etappenziel Lauingen, bei inzwischen gar nicht mal so schlechtem Wetter: die Sonne kommt durch, allerdings sind die Temperaturen immer noch im Keller. Auch hier komme ich in einem Hotel unter, das ich schon kenne, nämlich im Hotel Drei Mohren, wo es a) im Vergleich zum letzten Mal nun Waschsubstanz im Bad gibt (sogar im Überfluss: 2 x Duschgel/Shampoo im Einzelzimmer…) und b) immer noch diesen schönen Raum mit den rosa Sesseln. Ausserdem geht die Spargelcrêmesuppe beim Abendessen auf's Haus. Auch recht.