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Dienstag,
12. Mai. Von Amberg nach Weiherhammer (61 Km) Ja, heute ist der richtige Tag zum Weiterfahren. Als Traumwetter kann man das zwar nicht gerade bezeichnen, was sich da draussen vor dem Fenster zeigt, aber immerhin regnet es nicht - und das ist doch schon mal die halbe Miete! Ich will nochmals ein paar Kilometer nach Osten radeln und bei Schwarzenfeld erneut auf die Naab treffen. Deswegen suche ich mir nach dem Frühstück - die schwarze Soldatenfrau war auch heute wieder da, allerdings in Zivil - einen Weg aus der Stadt beziehungsweise nach Hinweisschildern auf den Schweppermann-Radweg, denn dieser führt von hier aus bis nach Schwarzenfeld. Die sind bald gefunden und nachdem Amberg hinter mir liegt, kreuze ich gegen den immer stärker blasenden Ostwind an, durch Gärmersdorf und Hiltersdorf, auf einem Waldweg nach Höfling und anschliessend auf einem Radweg neben der Landstrasse gen Schwarzenfeld. Hier erreiche ich wie geplant die Naab und biege nach Norden ab, mache den Gegen- zum Seitenwind. Das Stadtpanorama von Nabburg taucht allmählich am Horizont auf und wird langsam grösser. Als ich noch hier lebte war mir nie bewusst, was für ein Kleinod ich direkt vor der Nase hatte. Damals sind wir immer nur wegen der Disco nach Nabburg gefahren, ansonsten hat man alles hier draussen als langweilig empfunden. Es war halt nichts los. Tote Hose, sozusagen. Wie sich so was mit dem älter werden ändert. Vielleicht liegt's auch daran, dass ich a) im Ausland lebe und b) in einer Grossstadt. Da verschieben sich mit der Zeit einfach die Perspektiven oder Wahrnehmungen. Heutzutage gefällt mir jedenfalls sehr gut, was ich so sehe. Überhaupt, der ganze Grossraum: all die kleinen Täler hier mit ihren Wiesen und den Weiden gesäumten Flüsschen, die bewaldeten Hügel und die Städtchen. Es steckt eine gewisse Harmonie darin, es ist nicht spektakulär oder aufregend, sondern sanft und wohltuend. Nach Nabburg sieht man die Zwillingstürme der Kirche von Perschen und ein Weilchen später komme ich wieder auf den Boden der Tatsachen: seit der Wiedervereinigung und seit der Öffnung des Eisernen Vorhanges ist diese Region hier nicht mehr ein Randgebiet, sondern ist zur Transitgegend mutiert. Sichtbar wird das an den teilweise neu gebauten Autobahntrassen. Hinzugekommen ist neben der schon länger bestehenden Nord-Süd Verbindung nach Berlin nun auch die Autobahn in West-Ost Richtung, also von Nürnberg nach Pilsen oder Prag. Als ich bei Luhe-Wildenau die Naab verlasse und ihrem einen Quellfluss, nämlich der Haidenaab, folge, kehrt die Ruhe und Beschaulichkeit zurück. Zwischen Sperlhammer und Etzenricht bin ich mit der bisher schlechtesten Wegebeschaffenheit konfrontiert: tiefer morastiger Waldweg, nass und vollgesogen von den Regenfällen der letzten Tage. Doch siehe da, hier ist das Trike im Vorteil: während ich mit dem Zweirad wohl hätte absteigen müssen und mir matschige Füsse geholt hätte, kann ich mit dem Dreirad ganz langsam, wie in Zeitlupe und Meter für Meter hindurch rollen, denn es schmiert hier kein Vorderrad weg und umkippen tu ich auch nicht. Es ist das erste Mal, dass ich bei solchen Passagen saubere Füsse behalte. Wie das Bike dann hinterher aussieht, ist allerdings ein anderes Thema Nun, ich
bin ja gleich im Hotel Lohbachwinkel in Weiherhammer und bekomme am Nachmittag
noch die 4. Etappe des Giro d'Italia mit. Und als ich unten im Gasthof
zu Abend esse, baut neben mir im Saal eine Kosmetiktante ihre Utensilien
auf und grüsst freundlich zu mir herüber, so als ob ich auch
wegen ihres Vortrages oder Kurses hier wäre. Was man da wohl lernt?
Wie man sich richtig auch hinter den Ohren wäscht? Und unsereins
ist ja schon froh, dass er halbwegs korrekt mit Messer und Gabel essen
kann
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