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Donnerstag, 14. Mai. Von Bayreuth nach Schwabthal (78 km)

"Wohlan die Luft geht frisch und frei…dada dadada dada…valeri, valera, valeri, valera…ins Land der Franken fahren". Als ich nachmittags im winzigen Pool des Gasthofs in Schwabthal entspanne, summe ich dieses Lied vor mich hin und versuche vergeblich, mich an den Text zu erinnern, doch die Worte wollen mir nicht einfallen. Dabei haben wir dieses Lied regelmässig in der Grundschule im Musikunterricht gesungen und ich hab es als fröhliches und sinnenfrohes Sommerlied in Erinnerung. Als ich beim Abendessen die Bedienung im Restaurant frage, ob sie denn als Frankenmädel den Text wüsste, muss sie zwar auch passen, recherchiert aber im Internet und legt mir den Text dann ein paar Minuten später auf den Tisch. Donnerwetter, das ist ein Service, meine Damen und Herren! Beim Durchlesen muss ich ob der letzten Strophen schmunzeln und mir will scheinen, dass wir in der Schule damals ein paar Textzeilen ausgeklammert hatten…

Wohlauf, die Luft geht frisch und rein
Wer lange sitzt, muss rosten
Den allerschönsten Sonnenschein
Lässt uns der Himmel kosten
Jetzt reicht mir Stab und Ordenskleid
Der fahrenden Scholaren
Ich will zur schönen Sommerzeit
Ins Land der Franken fahren
Valeri, valera, valeri, valera,
Ins Land der Franken fahren!
Der Wald steht grün, die Jagd geht gut
Schwer ist das Korn geraten
Sie können auf des Maines Flut
Die Schiffe kaum verladen
Bald hebt sich auch das Herbsten an
Die Kelter harrt des Weines
Der Winzer Schutzherr Kilian
Beschert uns etwas Feines
Valeri, valera, valeri, valera,
Beschert uns etwas Feines
Wallfahrer ziehen durch das Tal
Mit fliegenden Standarten
Hell grüßt ihr doppelter Choral
Den weiten Gottesgarten
Wie gerne wär' ich mitgewallt
Ihr Pfarr' wollt mich nicht haben!
So muss ich seitwärts durch den Wald
Als räudig Schäflein traben
Valeri, valera, valeri, valera,
Als räudig Schäflein traben
Zum heil'gen Veit von Staffelstein
Komm ich empor gestiegen
Und seh' die Lande um den Main
Zu meinen Füßen liegen
Von Bamberg bis zum Grabfeldgau
Umrahmen Berg und Hügel
Die breite stromdurchglänzte Au
Ich wollt', mir wüchsen Flügel
Valeri, valera, valeri, valera,
Ich wollt', mir wüchsen Flügel
Einsiedelmann ist nicht zu Haus'
Dieweil es Zeit zu mähen
Ich seh' ihn an der Halde drauß'
Bei einer Schnitt'rin stehen
Verfahr'ner Schüler Stoßgebet
Heißt: Herr, gib uns zu trinken!
Doch wer bei schöner Schnitt'rin steht
Dem mag man lange winken
Valeri, valera, valeri, valera,
Dem mag man lange winken
Einsiedel, das war missgetan
Dass du dich hubst von hinnen!
Es liegt, ich seh's dem Keller an
Ein guter Jahrgang drinnen
Hoiho, die Pforten brech' ich ein
Und trinke, was ich finde
Du heil'ger Veit von Staffelstein
Verzeih mir Durst und Sünde!
Valeri, valera, valeri, valera,
Verzeih mir Durst und Sünde!

Eigentlich ist mir das Lied während der letzten Phase der heutigen Tagesetappe in den Sinn gekommen, mit dem Blick auf Kloster Vierzehnheiligen, Kloster Banz und dem Staffelberg, dem Berg der Franken.

Heute war eine schöne und flotte Etappe und ich mache von Anfang an alles richtig. Nur dass ich mich nach dem Frühstück in vollem Ornat mitsamt der ungeliebten Gamaschen präsentiere, erweist sich schnell als überflüssig, denn der zuerst gar heftigst niederprasselnde Regen aus dunklem Gewölk lässt nach, kaum dass ich zwei oder drei Kilometer gefahren bin. Den Supermarkt am Wegesrand, da rolle ich grad durch Bayreuther Vororte, besuche ich diesmal ausgiebig und kann anschliessend die Regensachen wieder verstauen. Zügig verschwindet die Stadt hinter mir, der Maintalradweg ist gut ausgeschildert und der Kletterspass zwischen Altenplos und Neudrosselfeld wärmt mich auf, bevor ich bis nach Melkendorf so flott dahinrolle, dass ich gar nicht weiss, wie mir geschieht. Vor mir tut der Himmel langsam auf und hinter mir dräut immer noch die dunkle Regenfront. Der Wind frischt auf und kommt erneut aus Osten und treibt mich zusätzlich voran.

Zwischen Melkendorf, Kulmbach und Mainleus fliessen der Weisse und der Rote Main zusammen und da hat man anscheinend die Route etwas geändert und eine neue Brücke samt Informationstafeln erstellt. Als ich 2004 mit Margrit den Main entlang gefahren bin, ist man noch ganz anders gelenkt worden. Von Mainleus bis Burgkunstadt ist mir der Wind ein treuer Freund und mit den ebenen und meist asphaltierten Wegen schafft man ordentlich was weg. Nach den bremsenden Anstiegen zwischen Altenkunstadt und Hochstadt bin ich schon fast auf der Einflugschneise nach Lichtenfels. Das schöne Städtchen lasse ich aber heute links liegen (damals übernachteten wir hier) und suche mir lieber meinen Weg nach Schwabthal, einem kleinen Dorf in einem Seitental des Mains. Also noch die paar Kilometer mit dem Strassenverkehr bis Bad Staffelstein und dann um den Staffelberg herum und nun mit dem Wind von schräg vorne das Tal hinauf. Da bin ich dann doch erstaunt, was hier an Tourismus abgeht: jeder dieser kleinen Orte hier wartet mit mehreren grossen Gasthöfen auf und alles ist recht heraus geputzt. War eine angenehme Tour heute mit einem völlig anderem Charakter im Vergleich zur gestrigen.