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Sonntag, 17. Mai. Von Adelsdorf bis Bad Windsheim (57 Km)

Heute sieht's wieder ganz anders aus, nämlich heiter und wolkenlos. Sonntagsstimmung eben. Und deswegen wiederhole ich genau das, was ich vor zwei Wochen im Donautal bei ähnlicher Witterung schon getan habe: ich lasse mich treiben. Jawohl. Diese Nacht habe ich gut geschlafen und so rolle ich aufgeräumt und bei bester Stimmung aus dem Ort und suche mir den Radweg, der die Aisch begleitet. Gleich beim Ortsausgang wird ein grosser Hund, der seinem Herr nicht sofort folgt und nicht augenblicklich "Platz" macht, gleich furchtbar mit der Hundeleine geschlagen und gemassregelt, doch das soll mich jetzt mal nicht beschäftigen, ich bin ja froh, dass mich das Vieh in Ruhe lässt.

Der Mai. Er schreitet voran, der Wonnemonat. Wir schreiben heute schon den Siebzehnten. Längst hat man sich an das satte und saftige Grün ringsum gewöhnt, längst sind Temperaturen um die zwanzig Grad normal. Jedenfalls sind sie mir heute herzlich willkommen, diese Temperaturen, und ich freue mich auf eine entspannte Sonntagsgaudi. Bad Windsheim ist das Etappenziel, gar nicht so weit weg. Die Streckenführung wird recht flach und einfach sein und so inhaliere ich heute eine grosse Dosis Aischtal, mitsamt den vielen Vogelarten, die sich über den grünen Wiesen und den Teichen tummeln: Störche und Kiebitze, Weihen und Falken, Bussarde, Reiher, Möwen und Lerchen und was weiss ich noch alles. Ob andere auch nachvollziehen können, warum ich diese weiten Täler mit sanft geschwungenen Höhenzügen so gerne mag? Unspektakulär wie sie nun mal sind? Wahrscheinlich nicht. So mancher wird diese Gegenden als langweilig empfinden, doch ich fühle mich darin irgendwie zuhause.

Schnell wird es heute wieder windig und das frische und noch grüne Getreide wiegt sich im Wind. Ich trödle bis zur Mittagszeit vor mich hin und werde dabei so richtig behäbig und faul. Bevor ich aber endgültig in wonnevolle Lethargie verfalle, werde ich initiativ und erhöhe das Tempo auf den letzten Meilen bis Bad Windsheim. In Bad Windsheim gibt's schon wieder oder immer noch eine Baustelle in der Innenstadt und am Marktplatz ist gehörig was los: man feiert den Jahrestag des berühmtesten Sohns der Stadt, des Naturwissenschaftlers Georg Wilhelm Steller. Da kann man nachmittags abhängen und sich die musikalischen Darbietungen der Bad Windsheimer Jugend anhören. Und bei Kaffee und Kuchen manifestiert sich im Laufe des Tages nun auch der weitere Reiseverlauf: oberes Altmühltal, Zusamradweg, Allgäu und Bodensee üben jetzt doch keinen so grossen Sog auf mich aus. Auch die schon erwähnten und noch auf Besichtigung wartenden Städte werden mir nicht davon laufen. Dafür fällt mir ein anderer Ort ein, an dem ich mich gerne ein paar Stunden aufhalten würde: Bad Wimpfen. Ich werde morgen erstmal noch dem Aischtalradweg bis kurz vor Rothenburg folgen, dann querfeldein zur Jagst radeln und entlang dieses Flusses bis nach Bad Wimpfen reisen. Genau so wird's gemacht...