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Donnerstag,
21. Mai. Von Niefern nach Horb (83 Km) Es regnet. Beziehungsweise: es giesst aus Eimern und Kübeln, und zwar was das Zeug hält. Diesen abrupten Witterungswechsel hatte ich auf dieser Reise jetzt schon ein paar Mal - der Vorabend schön sonnig und der Morgen danach dann regnerisch und trüb. Immerhin ist es ziemlich warm und der gestern geflickte Schlauch hält die Luft. Anscheinend fahre ich ganz gerne im Regen, denn ich ertappe mich dabei, wie ich lustig pfeifend die paar Kilometer bis nach Pforzheim rolle. Wenn es regnet ist die Luft einfach so herrlich gut und frisch! Wie komme ich denn nun wieder ins Neckartal? In umgekehrter Richtung bin ich ja mal über Herrenberg, Weil der Stadt und das Würmtal bis hierher gefahren und das hab ich noch als recht gute Strecke in Erinnerung. Eine Alternative wäre das Tal der Nagold, das von Pforzheim aus fast direkt nach Süden führt. Das fände ich auch noch interessant. Allerdings gibt meine Landkarte keinerlei Aufschluss über die Wegequalität im Nagoldtal. Man sieht nur, dass es eng ist und dass der Fernradweg Heidelberg-Schwarzwald-Bodensee durch dieses Tal geführt wird. Eingedenk meiner Erfahrung mit diversen anderen engen Tälern - ich denke da grad an das Wiesenttal in der Fränkischen Schweiz - kann ich mir gut ausmalen, dass da wieder ruppige Waldwege auf mich warten würden und mich auf fünfzig oder sechzig Kilometern Länge so voran zu arbeiten habe ich eigentlich keine grosse Lust, zumal alles wieder nass und matschig sein wird. Trotzdem entscheide ich mich intuitiv für die Nagoldroute und ich bereue es nicht, denn diese Strecke über Calw bis hin zur Stadt Nagold ist fast durchgehend asphaltiert, bis auf eine kurze Passage bei circa Unterreichenbach. Und es läuft fantastisch! Zu regnen hat es mittlerweile wieder aufgehört (was ich doch für ein Glückskind bin) und nachdem ich kurz nach Pforzheim noch einen - zugegebenermassen - Schweiss treibenden Anstieg im Ort Weissenstein hinter mich gebracht habe, komme ich sehr gut voran. Freilich bekommt man nach einer Weile so eine Art Waldparanoia, man sieht ja nichts anderes als Wald oder Buschwerk. Bald ist dann auch Calw erreicht, eine Stadt mit sehenswerter Altstadt. Bei Wildberg kommt die Sonne durch und das Tal wird etwas weiter und als ich schliesslich die Stadt Nagold erreiche, brauche ich nur der Beschilderung des Heidelberg-Schwarzwald-Bodensee-Radweges zu folgen und komme damit problemlos durch die Stadt und wieder richtig heraus. So, und wie geht's denn nun von hier ins Neckartal? Nicht mehr ganz so angenehm flach, denn auf der Strecke durch die Orte Iselshausen, Gündringen, Schietingen, und Unter- und Oberthalheim gibt's die ein oder andere Kletterpartie, die mir angesichts der inzwischen schwül-warmen Witterung gar nicht so recht schmecken will. Und schliesslich sollte ich auch noch irgendwo über den Berg und das geschieht bei Altheim, und zwar erstaunlicherweise recht moderat mit einer steilen, dafür aber recht kurzen Passage und einer etwas längeren flachen Steigung. Danach tut sich ein weiter Blick über das Neckartal auf, der es wert wäre, ausgiebig genossen zu werden. Hinter mir dräuen jedoch dunklen Wolken, die nichts Gutes verheissen und ich will mir gar nicht erst vorstellen, was es nach dieser Hitze für ein Unwetter geben wird. Deswegen mache ich mal, dass ich voran komme. Die letzten fünf Kilometer bis Horb lege ich auf der Bundesstrasse zurück, nicht ganz freiwillig, weil ich irgendwo in rauschender Abfahrt eine Ausschilderung verpasst habe, aber so geht es wenigstens schnell dahin. Rechtzeitig komme ich in Horb an, schnaufe den steilen Marktplatz zum Hotel Schiff hoch und kaum eingecheckt, geht draussen das ganze Theater los. Sturm, Hagel, Gewitter, halt das ganze Repertoire und volle Bedienung. Manchmal bin ich wirklich froh, dass ich morgens immer so früh losziehe und deswegen vor den Nachmittagsgewittern schon in der Unterkunft bin. Die Strecke durch das Nagoldtal war heute eine sehr positive Überraschung und zusammen mit dem gestern gefahrenen Enztalradweg ergibt das eine sehr gute und vor allen Dingen viel naturnähere Alternative, wenn man nicht durch die Agglomeration von Stuttgart radeln will. Zumindest in Nord-Süd-Richtung sind auch die Steigungen beim Wechsel ins Neckartal machbar. In der anderen Richtung bietet sich vielleicht die Route über Herrenberg und Weil der Stadt an. |
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