Montag, 26.8. - Cosne-sur-Loire bis Gien, 46 km

Irgendwann nachts höre ich Regentropfen auf das Zeltdach prasseln. "Wunderbar", denke ich mir, "sowas hör ich immer gerne" und gebe mich noch der Illusion hin dass ich mich gerade in einem etwas merkwürdigen Traum befinde. Aber, man ahnt es schon, der morgendliche Blick aus dem Zelt fällt auf eine nass-trübe Welt. Und da nutzt es auch nichts wenn der Wetterbericht - hier heisst's ja Meteo - tendenziell trockene Witterung voraussagte, der oder die oder das Verantwortliche war wohl anderer Meinung. Das Zelt bei strömenden Regen nass verpacken ist ja nichts Neues, man kennt das ja, die Stimmung die man dabei hat auch. Wir rollen bei Platzregen durch die Campingplatz-Schranke, fädeln uns in den Verkehr ein und queren die Loire nochmals um im Städtchen Proviant aufzutreiben. Eigenartig, alles findet man hier nur kein Lebensmittelgeschäft! Ein Bäcker hat dann ein paar Sandwiches und Orangensaft für uns - immerhin.

Mittlerweile und ganz grundsätzlich stellt sich die Frage wie weit wir heute angesichts des heftigen Niederschlags kommen werden. Einfach mal losfahren, heisst die Devise. Wenn man sich mal auf die äusseren Umstände eingestellt hat dann läuft es auch bei diesem Wetter so einigermassen. Wir fahren heute zwar auf einer kleineren Departementstrasse, sind jedoch mit relativ viel Autoverkehr konfrontiert. Der rauhe, nasse Strassenbelag lässt die vorbeizischenden Fahrzeuge lauter und bedrohlicher wirken als sie es in Wirklichkeit sind. Nach einiger Zeit lässt der Regen etwas nach und als wir in Briare die Kanalbrücke besichtigen - der Loire-Seitenkanal wird hier über den eigentlichen Fluss geführt - hört er sogar ganz auf. Gustave Eiffel hat hier ein wunderbar schmiedeeisernes Meisterwerk geschaffen und deswegen muss die Kamera raus aus der trockenen Packtasche. Ein zum Touristenboot umgebauter Frachtkahn wird gerade durch die Eingangspassage der Brücke gesteuert. Der Kapitän erfährt dabei durch ein lautes "Plong" dass er wohl die Durchfahrt nicht genau getroffen hat…







Grinsend schauen wir dass wir weiterkommen, bevor uns nach zehn Kilometern das Panorama der Stadt Gien mit der steinernen Loirebrücke den Atem nimmt. Als wir über diese Brücke fahren sind wir auf einmal mit starkem Verkehr konfrontiert - aha, durch dieses Nadelöhr geht also die Route Nationale - was wir sofort mit einer Kaffeepause quittieren. Irgendwie reichts eigentlich für heute, nass sind wir von innen und aussen und das Hotel du Rivage lockt mit seinem Gründerzeit-Charme. Wer kann da widerstehen? Die Siesta am Nachmittag tut gut, beim Erkunden des Städtchens lugt sogar die Sonne durch die Wolken, während die durchfeuchteten Kleidungsstücke im Zimmer trocknen dürfen, die Suche nach einem Lebensmittelgeschäft bleibt ergebnislos. Am Abend wird feudal gespeist in einem Restaurant mit zwei rotierenden Kellnern und einer Schwingtür zwischen Gastraum und Küche, was mich amüsanterweise an die Mittagsszene in "Die Ferien des Monsieur Hulot" erinnert: Jacques Tati, Gott habe ihn selig...







 
 
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