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Dienstag, 27.8. - Gien bis Jargeau, 60 km Am Morgen, man möcht's nicht glauben, regnet's
schon wieder Bindfäden! Ich bin mir nicht sicher ob ich die tiefhängenden
Wolken als eine Art Nebel deuten darf oder als Regenwolken akzeptieren
muss und frage die Dame an der Rezeption nach der Meteo: es soll bis mindestens
morgen regnen, bedeutet sie mir. Selber schuld, was frag ich auch so blöd.
Im Frühstückssaal werden wir mit Bebop beschallt, hektisch und nervenaufreibend,
auch nicht gerade jedermann's Sache so früh am Morgen und bei diesem Wetter.
Jedenfalls geht's auch heute wieder hinaus in den Regen, über den Fluss
und in die Wälder. Richtung Sully müssen wir wieder mit der vielbefahrenen
Departementstrasse vorlieb nehmen, mit der wir auch gestern schon Bekanntschaft
schlossen, aber nach etwa zehn Kilometer können wir auf einen asphaltierten
Dammweg abbiegen. Welch ungewohnte Ruhe! Ruhig und beschaulich ist dieser
Abschnitt, der Platz- wird zum Sprühregen, wir sind heute trockener als
gestern. In Sully dann unser erstes "richtiges" und hoch-offizielles Loireschloss!
Ab hier spricht man vom eigentlichen, klassischen Loiretal. Von einem
Wassergraben umgeben steht es da im Regen, das Schloss, und will partout
nicht auf's Bild! Andere Touristen finden wohl den richtigen Bildausschnitt
oder die richtige Position, jedenfalls gucken sie nach dem Knipsen ganz
zufrieden, mir will das nicht so recht gelingen. Also dann eben kein Bild
vom Chateau in Sully! Ich kann es ja hier schon mal vorweg nehmen: chateau-mässig
sind wir später dann keinesfalls zu kurz gekommen, im Gegenteil! So rollen wir denn für eine Kaffeepause in die Stadt. Auch hier wälzt sich Schwerverkehr durch Altstadtgassen. Wir fahren nicht wegen dem Stadtbild im Kreis um den Altstadtkern sondern weil wir immer noch auf der Suche nach einem Supermarkt, einem Tante-Emma-Laden oder meinetwegen irgendeinem Dealer sind, der uns Käse, Wurst, Schokolade verkaufen will. Die Trottoirs sind hier sehr hoch, schlechte Zeiten für Rollstuhlfahrer, auch für Radreisende nicht einfach…Was wir finden sind belegte Brötchen beim Bäcker. Raus aus der Stadt, rüber über den Fluss, Stossverkehr. Drüben nach dem Kreisverkehr auf einer kleinen, vielbefahrenen Strasse mit grobem Belag und einem Buckel in der Strassenmitte weiter. LKW's rauschen Affenzahn vorüber, wo die nur den Mumm hernehmen, hier auf der engen Strasse so zu rasen? Auf einmal passiert's: mein Vorderrad bricht aus, ich steure automatisch dagegen, das Hinterrad schmiert weg, ich dreh mich um meine eigene Achse, kann mich wunderbarerweise noch halten und eh ich noch realisiere was hier eigentlich geschieht, höre ich Margrit hinter mir schon auf den Boden krachen…Schlagartig hab ich die Bilder von der 99er Tour wieder im Kopf und bin schon bei ihr und helf ihr auf und schau dass ich die Velos an den Strassenrand bringe. Zweimal haben wir hier Glück: Margrit ist nichts Ernsthaftes passiert - sie wird eine kleine Beule am Kopf bekommen - und es war gerade in diesem Moment kein Verkehr auf unserer Fahrspur. Des Rätsels Lösung: hier ist ein Ölfilm auf der Strasse! In der Nässe völlig unsichtbar, aber glitschig wie Glatteis. Der Schock sitzt erstmal. Auf einmal ist die Unbefangenheit weg und es ist uns bewusst geworden wie gefährlich Radfahren auch sein kann… Weiter müssen wir die Räder gut einen Kilometer
schieben, die Ölspur will und will nicht enden. Dann können wir auf einen
Dammweg abbiegen, weg von dieser Strasse. Wir müssen uns erstmal hinsetzen
und das soeben Erlebte verdauen. Auch die Silberreiher weiter draussen
auf einer Sandbank können die momentane Stimmung nicht aufbessern. Aber
was soll's, wir müssen weiter. Auf ruhigen Wegen radeln wir betont vorsichtig
und aufmerksam nach St. Benoit, gönnen uns die Besichtigung der dortigen
Abtei. Während wir beschliessen noch bis Jargeau weiterzufahren wird uns
erst bewusst dass es schon seit geraumer Zeit zu regnen aufgehört hat.
Die folgende Fahrt ist schön, Wirtschaftswege, kaum Verkehr. Als wir zwölf
Kilometer vor Jargeau wiederum die Flusseite wechseln regnet's wieder.
Schon auf der Zielgeraden, noch höchstens drei Kilometer von Jargeau entfernt,
fahre ich hinten einen Platten und mir bleibt nichts anderes übrig als
hier im Regen den Schlauch zu wechseln - heute ist scheinbar nicht unser
Tag! Aber in der Stadt finden wir sofort ein Zimmer im Hotel Cheval Blanc. Bald ist das Hotelzimmer mit unseren nassen Kleidern und dem ohnehin überfälligen und immer noch nassen Zelt dekoriert. Beim Abendessen diskutieren wir auf's Neue die Helmfrage, später im Zimmer mache ich dann noch die Erfahrung, dass sich ein Fahrradschlauch auch nach dem Genuss von einigen Gläsern Sauvignon Blanc noch ganz gut flicken lässt - es ist irgendwie lustiger… |
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