Samstag, 31.8 - Cour Cheverny bis Veigne, 78 km

Lange sind wir gestern noch vor dem Zelt gelegen, haben den Fledermäusen zugeschaut bis die Sterne erschienen sind, heute morgen weckt uns das erste Mal die Sonne, natürlich wölbt sich dabei ein blauer Himmel über uns. Wunderbares Radfahren in den ersten Vormittagsstunden, im leichten Auf und ab durch ein welliges Ackerland. Kleine Wirtschaftswege und Landsträsslein, gottverlassene Bauerndörfer ohne Einkaufsmöglichkeit, nebenan mondän wirkende Eigenheime mit riesigen Vorgärten. Es ist ein angenehme Fahrt bis wir das geschäftige Tal des Flusses Cher erreichen.



Nun gilt es auf einer mässig befahrenen Strasse vorwärts zu kommen, den hektischen Ort Montrichard zu durchqueren, weiter auf der Landstrasse entlang zu fahren - mittlerweile mit einer wachsenden Anzahl von Reisebussen konfrontiert - bis wir die Einfahrt zum Chateau Chenonceaux hinunterrollen, von den Parkwächtern die Erlaubnis bekommen, unser Velos (ausnahmsweise) direkt im Schlosspark abzustellen. Einer der jungen Ordnungshüter lässt es sich nicht nehmen, mein Velo selber zu schieben. Was der sich wohl denkt? Ob er wohl selber gern so eine Reise unternehmen möchte? Oder gefällt ihm nur mein Rad? Dann wird das Schloss besichtigt, irgendwie durch seine Assymetrie mein Favorit unter all den Chateaus. Wir lassen uns mit den anderen Touristen durch die Salons und Säle treiben, bewundern die exakt angelegten Blumenbeete im Park und verschmähen weder den im Self-Service-Restaurant angebotenen Kaffee noch die am Kiosk gekauften Sandwiches.




Aber als wir wieder unterwegs sind, erneut über den Fluss gesetzt haben, quer durch eine einsame Gegend radeln, ist das beeindruckende Bauwerk nur mehr einen flüchtigen Gedanken wert… Was irgendwie mehr zählt ist die körperliche Erfahrung des Windes, der langen, aber leichten Steigungen bis wir auf dem Hochplateau zwischen den Flüssen Cher und Indré sind, die Weite der Landschaft, die Müdigkeit in den Beinen, die Freude angesichts der violetten Disteln am Wegesrand oder die rüttelnden Falken über den Stoppelfeldern. In einem Dorf eine Strassensperre - ein Radrennen und gleichzeitig ein Flohmarkt. Die beiden Ordnungshüter, notdürftig mit Kelle und reflektierendem Band ausgerüstet, werden von der Bar nebenan mit Pastis versorgt. Der Atem der uns aus einem zahnlosen Mund entgegenbläst (wir verhandeln wegen der Durchfahrt) ist jedenfalls alkoholhaltig, wahrscheinlich sogar leicht entflammbar… Nun, man ist uns wohlgesonnen, schliesslich sind wir ja auch irgendwie "Sports(wo)man", wir dürfen passieren!



Die Abfahrt ins Tal des Indré: wieder Weiden und Pappeln und Platanen am Flussufer, aber auch wieder grosse Strassen, geschäftiges Treiben, Autolärm. In Veigne gibt es einen krönenden Abschluss dieses vielfältigen Reisetages in Form eines geöffneten Lebensmittelladens und einem Campingplatz direkt am Flussufer, wo Margrit noch von einem Eisvogel begrüsst wird!


 
 
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