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Donnerstag, 5.9. - Ancenis bis Blain, 58 km Wie schön muss die Welt gewesen sein als es noch keine Verbrennungsmotoren gab: wenn man kilometerlang durch eine ruhige Landschaft radelt, minutenlang nur den Wind in den Bäumen, vielleicht ab und zu das heisere Rufen eines Greifvogels über sich hört, höchstens vielleicht noch das Muhen der Kühe oder das Bellen eines Hundes, und plötzlich wird man vom Gekreisch eines Mopeds oder vom Röhren eines LKWs aus seinen Träumen gerissen, dann überkommen einem Bedürfnisse nach einer ruhigen, stillen Welt…Heut morgen haben wir bei Ancenis der Loire Lebewohl gesagt, gut 560 Kilometer sind wir ihr seit Nevers gefolgt. Um die Städte Nantes und St. Nazaire zu vermeiden folgen wir nun einer gedachten Diagonale nach Nordwesten. Es wird eine der schönsten Tagesetappen werden:
herrliches Spätsommerwetter, leicht-wellige, angenehme Topographie, meist
ruhige, verkehrsarme Strassen und immer wieder weite Ausblick über's Land.
Der Gegenwind beeinträchtigt unsere Fahrt in keinster Weise, schirmen
uns doch immer wieder Hecken, Buschgruppen und Wäldchen vor ihm ab. Morgen werden wir also das Meer erreichen, das drei Urlaube dauernde Projekt "Oberviechtach bis zum Atlantik" wird damit abgeschlossen sein. Naab- und Donautal, der Hegau, das Rheintal, Sundgau, Doubs, Burgund, Loire - Flüsse und Landstriche entlang des Weges. Ich erinnere mich noch genau wie ich vor einigen Jahren vom Gipfel des Altenschneebergs, dem Oberviechtacher Hausberg (oder -hügel) nach Westen in die untergehende Sonne und auf die in der Ferne immer transparenter werdenden Hügelketten blickte und mir diese Reise voller Sehnsucht ausmalte. Ich sah die melancholische oberpfälzer Landschaft zu meinen Füssen ausgebreitet und hörte doch schon das Möwengekreisch, spürte das Ziehen von Ebbe und Flut, den salzigen Geruch den der Wind hereinträgt. Jetzt, am Vorabend der Ankunft, hat sich die Sehnsucht längst relativiert, zuviel Zeit ist seit dem ersten Reiseabschnitt im Sommer 2000 verstrichen - man sollte solche Projekte in einem Atemzug durchziehen können, sieben oder acht Wochen hätten dafür locker gereicht.Trotzdem freue ich mich diese ganze Strecke mit dem Velo zurückgelegt zu haben, obwohl ich mir manche Passagen, zum Beispiel damals den Start in Oberviechtach, ganz anders ausmalte. Heute übernachten wir in Blain, einem Städtchen am Canal Nantes du Brest. Irgendwie ist man hier in Frankreich noch nicht an dem Punkt wo man sich Gedanken um autofreie Innenstädte macht: wie schon im Städtchen Nort, durch das wir heute im Laufe des Tages kamen, wird auch in Blain der Schwerverkehr quer durch die Innenstadt, an Marktplatz und Kirche vorbei, geleitet. Nichtsdestotrotz gibt es hier direkt hinter der Kirche einen Supermarché und einen unserer angenehmsten Campingplätze. Abends machen wir noch die Bekanntschaft eines jungen französischen Paares, das mit den Rädern den Kanal entlang fahren will. Die staunen nicht schlecht als wir ihnen von unserer Reise erzählen. Wir haben bisher erstaunlich wenige Reiseradler gesehen, hier im Lande scheint man von der in Deutschland, der Schweiz und Österreich herrschenden Radreisewelle nichts zu merken. |
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