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Freitag, 6.9. - Blain bis Pénestin, 67 km Es ist vollbracht. Das Meer erreicht. Um 15:30
fotografiert uns ein junger Windsurfer mitsamt den Rädern am Strand von
Pont-Mahé. Etwas später checken wir auf dem Campingplatz in Pénestin ein
und ruhen unsere müden Knochen aus. Eigentlich sind's ja nicht die Knochen
sondern die Muskeln. Heute hatte ich schon nach zwanzig Kilometern "Schwammerl
in die Knie", keine Ahnung warum. Vielleicht haben wir uns gestern abend
zu wenig Kohlehydrate "gegeben"? Vielleicht lag's auch an dem Bewusstsein
dass es heute die letzte Etappe auf dem Weg zum Ozean sein wird, unter
Umständen waren's auch die heutigen Bedingungen. Jedenfalls war heute
den ganzen Tag der Wurm drin und wir fanden einfach keinen Rhythmus, wir
sind schon am Morgen nicht recht wach geworden. Zuerst decken wir uns in Blain noch mit Tagesproviant ein, essen Pain au chocolat am Parkplatz des Supermarktes und kommen auf die glorreiche Idee, ein Stück am Kanal Nantes du Brest entlang zu fahren - die Radler von gestern Abend haben uns Appetit darauf gemacht. Auf dem ersten Blick erscheint das zwar als gute Entscheidung, aber erstens ist die Strecke furchtbar eintönig, zweites ist der Weg teilweise von so grober Qualität dass er ein zügiges Vorankommen behindert, die Tacho-Anzeige friert bei 12 kmH ein - das ist schon ein bisserl langsam finde ich. Dann ist plötzlich Regenalarm. Also Regenmontur inkl. Gamaschen und Handschuhe hervorholen und anziehen. Nach 15 Minuten ist der Spuk vorbei, also alles wieder einpacken… Dann bis Pontchateaux eine kleine Asphaltstrasse,
wahrscheinlich der beste Abschnitt dieses Tages. In Pontchateaux verpasse
ich die kleine, besser für uns geeignete Strasse und so arbeiten wir uns
halt die grosse D33 voran, Steigung folgt auf Abfahrt, Sonnenbrille aufgesetzt
und Windjacke ausgezogen, weil's plötzlich heiss und grell wird, Sonnenbrille
runter und Jacke wieder angezogen weil's schon wieder kalt und dunkel
wird - Aprilwetter. Die zwei einzigen Konstanten heute sind der frische
Gegenwind und der nicht minder stürmische Verkehr. Wohl deswegen erscheint
uns diese letzte Etappe als die beschwerlichste. Trotzdem geht uns das
Herz auf als wir nach Assérac das erste Mal die Silberfläche des Meeres
zwischen Hecken und Maisfelder blitzen sehen! Auf dem Campingplatz in Pénestin sind wir
unter lauter Muschelsammlern: zur Zeit ist Grande Marrée, eine besonders
starke Ebbe, und da kommen die Liebhaber der glitschigen und krakeligen
Meeresbewohner an diesem Wochenende von weit her um sich den ein oder
anderen kulinarischen Leckerbissen zu sammeln oder zu fangen. Wir machen
beim Einchecken die Bekanntschaft einer Familie aus Nantes, die aus diesem
Grunde mit Kind und Kegel wie jedes Jahr angereist sind. Von einer angebotenen
Kostprobe der soeben gesammelten frischen Austern nehmen wir aber dann
doch Abstand, wofür wir wohlwollen ausgelacht werden. Dafür gibt's abends
im Restaurant des Campingplatzes die ersten Muscheln seit langem, wobei
wir mit Musik von Alan Stivell, dem bretonischen Harfenspieler, beschallt
werden. Und hinterher bein Abendspaziergang nimmt uns das Meer dann doch
gefangen, als die Ebbe langsam zieht, der Wind uns die Regentropfen ins
Gesicht wirft und die Möwen im Aufwind der Klippen auf und ab patrouillieren. Samstag, 7.9. - Pénestin Heute ist wieder mal ein Ruhetag angesagt. Wir schlafen lange, beobachten die Karawane der Muschel- und Austernsucher, sitzen nachmittags, als uns zwei regenfreie Sonnenstunden vergönnt sind, am Strand. Irgendwie ist die Radreise abgeschlossen. Die uns noch verbleibende Woche werden wir hier in der Gegend verbringen. Morgen noch eine Etappe bis Locmariaquer am Golfe du Morbihan, dort wollen wir uns für die restlichen Tage einquartieren, ein paar Ausflüge nach Carnac oder zur Halbinsel Quiberon machen. |
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