Sonntag, 8.9. - Pénestin bis Port Navalo, 68 km

Samstagabend fängt es ziemlich stark zu regnen an, wir ziehen uns in die Campingplatz-Gaststätte zurück und hören von der einen Seite Oldies von der Stereoanlage, von der anderen Seite des Gastzimmers tönen die Kommentare eines Sportreporters aus der Flimmerkiste. Am Morgen spielt es dann wieder mal keine allzu grosse Rolle, ob das Zelt vom Tau, vom Kondenswasser oder vom Regen nass geworden ist. Heute haben wir wieder Aprilwetter erwischt: auf der einen Strassenseite Platzregen und auf der anderen Seite strahlender Sonnenschein. Natürlich Gegenwind, ist ja klar. Die Grande Marrée läuft immer noch, als wir aus dem Ort fahren kommt uns ein schier endloser Strom an Fahrzeugen entgegen. Was wollen die alle in dem kleinen Dorf? Alles Muschelsucher? Nun, uns soll's recht sein, wir fahren in die entgegengesetzte Richtung, leider heute hauptsächlich auf grossen Strassen, denn die Küste ist hier voller Buchten, Flussmündungen und Fjorde und wenn wir noch bis Locmariaquer kommen wollen, müssen wir damit leben, dass wir heute nicht allein auf der Strasse sein werden.

Es rollt ja auch ganz gut, wir sind schon über die Villaine gefahren, dann in Muzillac (hier sieht man auf den Ortsschildern bereits den französischen und den bretonischen Ortsnamen), dann in Sarzeau, wo wir uns in einem Restaurant stärken, in unmittelbarer Nachbarschaft einer überaus lauten und aufdringlichen dicken Matronin, die inmitten ihrer Familie Hof hält. Plötzlich Polizeisirenen, Motorräder, Begleitfahrzeuge. Und ein Pulk Rennradfahrer - ein lokales Radrennen! Gleich ist der Spuk auch wieder vorbei…es geht halt doch schneller ohne Gepäck. Wir sind auf der Zielgeraden, am untersten östlichsten Zipfel des Golf du Morbihan, wo wir eine Fähre nach Locmariaquer erhoffen. Die Strasse nach Port Navalo ist befahren wie eine Route Nationale, ich frage mich wo diese Leute in ihren Autos alle hinwollen, denn voraus ist ja so gut wie gar nichts mehr, nur mehr der kleine Ort Port Navalo…




Port Navalo, ein wie aus dem Ei gepellt wirkendes ehemaliges Fischerdorf mit einem riesigen Yachthafen, Kurzentrum und mondänen Wohnsitzen - und einem Spielcasino. Nach der Ortseinfahrt und zwei Verkehrskreisel weiter sind alle Autos spurlos verschwunden…wollte die also doch hierher? Ist nicht unsere Sache, wir wollen ja zum Fährhafen. Dort ist zwar reger Betrieb, zwei Schiffahrtsgesellschaften bieten Rundfahrten durch die Lagune des Golf du Morbihan an, auch Locmariaquer - kaum einen Kilometer von hier entfernt am anderen Ufer - wird angesteuert. Eigentlich alles in Ordnung. Es werden nur keine Räder mitgenommen…der einzige Fährmann der uns übersetzen könnte hat für dieses Jahr dicht gemacht…

Irgendwie nutzt da auch unsere Enttäuschung nichts. Wir haben zwei Möglichkeiten: entweder wir bleiben hier oder wir fahren um den ganzen Golf, was uns wohl zwei Tage kosten wird. Wir entscheiden uns dafür hier im Ort zu bleiben, es gibt einen Campingplatz direkt am Meer und das Städtchen hier ist eigentlich wunderbar gelegen. Nachdem sich unsere Gemüter etwas beruhigt haben, akzeptieren wir Port Navalo als westlichsten Endpunkt der Reise, vorgegeben durch die geographischen Bedingungen und den gegebenen Zeitrahmen.



 
 
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