Montag, 9.9. - Port Navalo, Rundfahrt im Golf du Morbihan

Obwohl es morgens, als ich die Nase zum Zelt hinausstrecke, noch nicht so aussieht, vertreibt der Wind bald die zusammenhängende Wolkendecke und es wird strahlend schön. Da unser Campingkocher immer noch streikt, radeln wir hinunter zum Hafen und frühstücken in einer der Bars am Kai.

Wir erkunden unseren Aufenthaltsort mit dem Rad und erleben von einer Klippe die Gewalt des Gezeitenstroms mit. Wir befinden uns an der schmalen Öffnung des 12.000 Hektar grossen Golfes zum Meer und die Wassermassen die im sechsstündigen Wechsel hinein- und herausgedrückt werden erzeugen einen reissenden Strom. Nachmittags fahren wir mit dem Ausflugsboot durch die Insellandschaft des Golfes - blauer Himmel und tiefblaues Wasser, weisse Segel und bunte Flaggen, ockerfarbene Strände und dunkelbraune Tangfelder, dunkelgrüne Wälder und helles Schilf - alles im klaren Licht der Spätsommersonne. Darüber ziehen Cumuluswolken wie grandiose Segelschiffe ihre Bahn.







Dienstag, 10.9. - Ausflug nach Vannes

Obwohl uns gestern ein Gewitter eine zeitlang am Einschlafen hinderte sind wir heute hellwach und guter Dinge. Kein Wunder: die Sonne verwöhnt uns schon am frühen Morgen. Wir fahren heute mit dem Bus nach Vannes und versuchen unsere Heimreise zu organisieren. Vorher bekommen wir im Hafen noch die Bestätigung, dass wir nachmittags auch mit dem Schiff von Vannes aus zurückfahren und nochmals die Landschaft im Golf geniessen können.

In Vannes erleben wir eine sehr rührige Dame am Info-Schalter des Bahnhofs, die alle Hebel für uns in Bewegung setzt, dass wir nur ja wieder nach Hause kommen (will man uns denn hier so schnell loswerden?). Es ist jedoch nicht möglich mit den Rädern von hier nach Zürich zu gelangen, es sei denn man benutzt den Nachtzug mit Autoverlad, der hier noch bis Samstag direkt bis Genf fährt. Aber leider dürfen da keine Velos mit, es sei denn man zerlegt und verpackt sie zu einem kompakten Gepäckstück… nun, das scheint nicht unmöglich zu sein, ein Experiment ist es auf alle Fälle. Wir stimmen zu und halten schon bald die Billets für die Zugfahrt am Donnerstag Nacht und die Reservierung für eine Zweibettkabine im Schlafwagen in den Händen.

Guter Dinge spazieren wir nun durch sehenswerte Altstadt gen Hafen, essen irgendwo in einer Crêperie mit laschem Kellner zu Mittag, bummeln ein bisschen. Es tut gut, zwischendurch auch mal ohne Räder unterwegs zu sein. Unten am Yachthafen schickt man uns zum Gare Maritim, von wo aus die Schiffe in den Golf hinaus fahren. Es ist dann doch ein langer Spaziergang geworden als wir endlich am Kai ankommen. Dort erfahren wir von "unserer" Schiffahrtslinie dass eben kein Schiff von hier aus nach Port Navalo fährt - da weiss wohl die linke Hand nicht was die Rechte tut! Nach unserem Ärger über diese sonderbare Informationspolitik tun wir uns was Gutes und leisten uns ein Taxi zurück zum Busbahnhof.

Eigentlich wollten wir ja morgen noch die Gegend hier mit dem Velo erkunden und am Donnerstag dann nach Vannes radeln, aber als wir jetzt mit dem Bus auf der Schnellstrasse zurück nach Port Navalo fahren, wird uns ganz unwohl bei dem Gedanken dass wir diese Strasse übermorgen selber fahren müssen. Warum nicht schon morgen das ganze Gepäck mitnehmen, uns auf kleinen Strassen langsam an Vannes heranpirschen und dabei noch die Gegend anschauen? Als wir diesen Plan besprechen sitzen wir gerade im "Restaurant de la Plage" beim Abendessen und nach einigen Tropfen Muscadet fällt es uns nicht schwer die Idee als gut durchführbar und schlichtweg genial zu bezeichnen…


 
 
[ nach oben ¦ weiterlesen ¦ zurück zum Menü ]