Die Morgensonne giesst ihr warmes Gesicht über das Rhônetal aus und als wir auf Piste sind, stimmt einfach alles: Wetter, Temperaturen, Landschaft, Verkehr - alles ist stimmig und passt! Die Dörfer zwischen dem Jura, Genf und der französischen Grenze sind ruhig und recht schön. Ohne jegliche Zoll- oder Grenzkontrolle passieren wir die Grenze nach Frankreich und in die EU. Ich weiss nicht, warum soviel über Sicherheitsvorkehrungen und verschärfte Kontrollen beim Grenzverkehr diskutiert wird, und hier könnte man Lastwagenladungen voll Personen oder Drogen nach Belieben in beide Richtungen schmuggeln…

Wir nähern uns der Défilé de l'Ecluse, dem Rhônedurchbruch. Es ist eine enge Schlucht, die Felsen des Jura fallen steil ab und der Fluss hat sich da im Laufe der Zeit durchgesägt. Und irgendwo gibt's da auch eine kleine Strasse. Leider gibt mir die Landkarte keine Auskunft darüber, ob diese Strasse nun im Talgrund verläuft oder nicht, und wenn ich an die Schwierigkeiten denke, die ich voriges Jahr am Walensee hatte, wird mir ganz mulmig zu Mute. Gestern haben wir noch darüber diskutiert, ob wir nicht die Bahn nehmen sollen, um diese Passage zu überbrücken, aber ich möchte da nun hindurch und will mir das alles zumindestens mal ansehen und es versuchen.

Es ist ein dunkles Tor, dass sich da vor uns auftut, von oben gesehen wohl eine Art Hufeisen. Als wir darauf zurollen weiss ich immer noch nicht, wie sehr ich mit Tiefe und Abgründen konfrontiert sein werde, denn dichtes Buschwerk verdeckt die Aussicht - und wird mein Rettungsanker. Im Nachhinein weiss ich nicht mehr, wie ich diese drei/vier Kilometer überstanden habe. Zuerst geht's leicht abwärts, um eine Kurve und dann leicht, aber stetig, bergan.

 

Einmal fällt mein Blick zwischen den Zweigen hindurch auf eine Eisenbahnbrücke, die - selber schon recht hoch gebaut - erschreckend weit unter mir den Fluss quert. Ich denke, ohne die Vegetation hätte ich es nicht geschafft. So aber sind wir irgendwann durch die Schlucht hindurch, befinden uns zwar immer noch in der Höhe, aber die Landschaft ist sanfter geworden und weist keine schroffen oder steilen Abgründe mehr auf. Eine Verschnaufpause und ein Blick zurück auf einer Hangwiese. Eigentlich eine sehr pittoreske Landschaft! Weit unter uns fliesst die Rhône, dahinter die Berge des Jura mit ihren Kalksteinklippen und dem Mischwald.

Weiter pedalieren wir recht abwechslungsreich auf dem Hochplateau dahin und dann kommt sie endlich, die Abfahrt in ein weites und von grünen Hügeln begrenztes Tal. Schliesslich wollen wir die erarbeiteten Höhenmeter auch wieder zurückhaben! Wir sind schon recht lange ohne ernsthafte Pause unterwegs und unser Proviant neigt sich dem Ende zu. In Challonges finden wir weder ein genehmes Restaurant noch eine Einkaufsmöglichkeit, dafür in Seyssel direkt am Ortseingang einen schön gelegenen Campingplatz direkt am Fluss, mit einem gepflegten Grasboden, hohem Baumbestand, einem sehr freundlichen Personal und gleich nebenan einen Supermarkt…

Wandererherz, was willst du mehr?

  weiterlesen
zurück zur Titelseite
zurück zum Menue
 
       
       
    Ein verheissungsvoller Morgen...  
    Zufahrt zum Défilé de l'Ecluse  
    Schon sind wir durch - ein Blick zurück  
    Blick hinab zur Rhône  
    Schöne Aussichten - hier geht's für uns weiter  
    Unser Etappenort...  
    ...Seyssel  
[ zurück zum Menü ¦ zurück zum Text ¦ weiterlesen ]