Hier gibt's den kompletten Reisebericht ohne Fotos als PDF-File (80 KB)


Manchmal könnte man schier Ausflippen! Oder verrückt werden! Ich meine das Wetter. Letzte Woche, also die Woche vor Pfingsten, wurde uns so prima frühsommerliches Wetter vergönnt! Vielleicht ein bisschen schwül, mag der ein oder andere einwenden, ansonsten jedoch ideal für allerlei Betätigungen ausserhalb der eigenen vier Wände, worunter ich natürlich, wie man weiss, nebst Schwimmbadbesuchen und Strassencafésitzereien, auch und vor allen Dingen das Radfahren rechne. Ausgerechnet am Pfingstsonntag jedoch, als mein Vater und mein Onkel anreisen, um mit Margrit und mir ein paar Tage am Bodensee zu radeln, zieht so ein vermaledeites Tiefdruckgebiet heran und versalzt uns die lange schon im voraus geplante Suppe! Dabei hatten wir uns das so schön ausgemalt. Und wir haben auch soviel vor: mein Onkel soll beispielsweise in das Radreisen mit Gepäck und von Etappe zu Etappe eingeführt werden, da er bisher zwar recht viel auf Tagestouren unterwegs gewesen ist, vorher Beschriebenes aber noch nie erfahren hat. Mein Vater will wieder mal den Bodensee erkunden und wir, also Margrit und ich, freuen uns einfach auf den Familienausflug. So eine Unternehmung, auch wenn wir nur zu viert sind, will natürlich schon ein Weilchen vorher geplant werden, es geht um Terminabsprachen, Streckenlängen, Übernachtungen…halt um den ganzen logistische Firlefanz. Aber eben: letztendlich muss halt dann auch noch das Wetter mitspielen.

Geplant war ein gemütlicher Start von unserer Haustüre aus. Der übliche Weg der Glatt entlang bis zum Rhein und später diesem entlang gen Osten. Am Pfingstsonntag ist uns zwar nach Ankunft der beiden Herren noch ein Spaziergang in Zürich vergönnt und ein Abendessen auf dem Balkon, tags drauf lassen herabstürzende Wassermassen allerdings einen Aufbruch nicht geraten sein. Also bieten wir ein Kontrastprogramm. In Zürich kann man sich ja durchaus auch bei Regenwetter vergnügen und sogar eine Schifffahrt auf dem See ist reizvoll - denn die Stimmung ist hier auch bei trüber Witterung ansprechend. Am Dienstag scheint es dann eine Wetterberuhigung zu geben, und so können wir die verkürzte Tour endlich beginnen.

Dienstag, 29.5.2007. Von Rafz bis Iznang.
Wie gesagt, es scheint eine Regenpause zu geben. Bei nur leichtem Getröpfel gleiten wir zum Bahnhof Oerlikon, setzen uns und die Räder erstmal in die S-Bahn und beginnen die Tour in Rafz. Noch sind die Strassen nass, doch das Gewölk zieht um einiges höher als gestern, es ist heller und eigentlich lässt sich das jetzt alles ganz gut an. Die schiefe Ebene zur Grenzstation hinauf getreten, im leichten Auf und Ab durch Lottstetten hindurch - leider ist der Panoramablick über die weite Ebene rechterhand durch das trübe Wetter...äh...getrübt. Dann den asphaltierten Weg entlang der Bahnstrecke nach Jestetten hinunterrollen. Im Ort selber kommt uns eine französisch sprechende Wandergruppe entgegen. Nun, die sind ja recht gut gelaunt unter ihren Ponchos. In Jestetten gilt es, links von der Durchgangsstrasse abzubiegen, um auf Schleichwegen quasi durch die Hintertür nach Neuhausen zu gelangen. Erneut ins Schweizerische hineingeradelt: der Rheinfall will besichtigt werden. Eine Reisegruppe, aus wärmeren Gefilden stammend, folgt unserem Beispiel. Damit meine ich die Betrachtung des Wasserfalles, nicht das Radfahren…

Nach ausgiebiger Bewunderung der stürzenden Wassermassen dann Stadtverkehr in Schaffhausen (meist auf Radwegen). Die Strassen sind abgetrocknet. Sowas sieht man gerne! Am Rhein entlang geht's weiter nach Osten - ich denke, diese Route habe ich schon hinreichend in früheren Reiseberichten beschrieben. In Stein am Rhein trübt sich's erneut ein und nach einer Kaffeepause fallen wieder Tropfen vom Himmel. Von nun an wird's auch (was die Strecke betrifft) für Margrit und mich wieder interessanter, denn wir radeln von nun an um die Halbinsel Höri, und zwar in einer Richtung, die wir bisher noch nicht gefahren sind. Zwischen Stein am Rhein und Wangen, oder sogar noch bis Hemmenhofen, gibt's immer wieder mal eine kleine Kletterpartie. Und der Wind, der schon seit heute morgen kräftig bläst, frischt jetzt nochmals auf und plötzlich fängt es richtig heftig zu regnen an…das kennen wir vom gestrigen Tage, nur sitzen wir jetzt nicht angenehm im Inneren eines Ausflugsbootes. Der Wind zaubert Schaumkronen auf den See, die Leuchtfeuer in den Yachthäfen blinken hysterisch und wir…tja…wir können uns zwar noch ein paar Kilometer der Unterstützung durch den Rückenwind erfreuen, aber ab Horn müssen wir rechtwinkelig abbiegen und jetzt haben wir plötzlich die Elemente gegen uns. Und zwar mehr oder minder frontal. Zudem lässt die Befahrbarkeit des Weges hier auf den letzten Kilometern bis Iznang zu wünschen übrig. Kurz: wir sind froh, als wir im Café Perlmuschel einchecken können.

Dummerweise ist heute Dienstag. Und die beiden einzigen Restaurants im Ort haben - sehr gastfreundlich übrigens - gleichzeitig am Dienstag Ruhetag. Unsere Wirtin empfiehlt uns ein Pilspub, wo man wenigstens eine Pizza bekommt. Und die ist dann gar nicht mal schlecht. Auch gut.