| weiterlesen - zurück zur Titelseite - zurück zur Homepage | |||||||||||||||||||||||||||||
|
Montag, 16.7.2007/Dienstag,
17.7.2007. Ruhepause in Bourbonne-les-Bains Es sind jetzt zwei Ruhetage geworden. Am Sonntag ging's uns letztendlich nicht wirklich gut. Erst am Montag hat sich unser Verdauungstrakt wieder beruhigt und es hat einen zusätzlichen Tag zur Erholung gebraucht. Bourbonne lädt aber auch zum Relaxen ein, ganz abgesehen davon. Es ist ein Kurort. Allerdings einer, der dem Niveau von Privatpatienten wohl kaum gerecht werde würde. Nicht dass es an Infrastruktur mangelt: es gibt genügend Hotels und Privatunterkünfte, eine Therme, ein breitgefächeres Angebot an Behandlungsmöglichkeiten und Therapien. Aber es ist für all jene gedacht, die nicht das Glück hatten, jetzt so direkt auf der (finanziellen) Sonnenseite des Lebens geboren und aufgewachsen zu sein. Sozusagen ein Kurort zweiter oder dritter Klasse. Und das meine ich jetzt alles andere als abwertend! Es ist sehr sympathisch hier. Zumal die Stadt eh in ein schönes landschaftliches Umfeld eingebettet ist. Normale Touristen scheinen sich hier nicht ganz so oft zu verirren, wir sehen hauptsächlich ältere Kurgäste, die alle - wie oben aufgeführt - wohl kaum jeden Tag Champagner und Kavier aufgetischt bekommen. Und da wir zur selben Bevölkerungsschicht gehören, fühlen wir uns hier wohl. Drei Nächte sind wir in Bourbonne-les-Bains und drei mal wechseln wir die Zimmer, wobei wir zwei Nächte im Hotel des Sources bleiben und dann ins Hotel l'Orfeuil umziehen, das ein paar Meter weiter in derselben Strasse liegt und von der Mutter der Patronin des "des Sources" geführt wird. Das l'Orfeuil strahlt so eine schöne abgewohnte Grandezza aus. Mit Salon, Bibliothek, Stilmöbeln und Ölbildern an der Wand. Beide Hotels verfügen über schöne Innenhöfe/Atrien, das l'Orfeuil zusätzlich über einen Swimming Pool. Und beide Hotels sind am Rand eines Wäldchens gelegen, dessen hohe Bäume samt Unterholz wie eine grüne Wand erscheinen. Diesmal empfinden wir das allerdings nicht als einengend. Im Gegenteil, als wir abends jeweils draussen im Innenhof sitzend das Eindunkeln erwarten, klingen die Stimmen der Nachtvögel zu uns herab und wir staunen ob der Fülle der verschiedenen Töne. Sowas hab ich bisher nur in Südindien, in Kerala, während einer Fusswanderung in einen Naturschutzgebiet gehört. Und einmal sehen wir eine Ringelnatter in dem kleinen Bach der durch das Städtchen fliesst. Lange können wir beobachten, wie sie die Ufer nach Beute absucht. So wenig ich Insekten mag, so sehr haben es mir Reptilien angetan. Wie überhaupt fast überall während dieser Reise ist man auch hier sehr bemüht, es dem Gast so angenehm und wohnlich wie nur irgend möglich zu machen. Gerade die Leute hier in den beiden Hotels sind sehr hilfsbereit und zuvorkommend, was wir nicht nur im Umgang mit uns ausländischen Exoten, sondern auch im Umgang mit den anderen Gästen beobachten. Und wieder wird mir bewusst, wie sehr es mich einschränkt, dass ich so gut wie kein Französisch kann. Ich glaube, eines meiner nächsten Ziele wird sein, mich in dieser Sprache halbwegs ausdrücken zu lernen. Vor dem l'Orfeuil spielt man Boule. Am Spätnachmittag, wenn die schon weit gewanderte Sonne ihre langsam schräger stehenden Strahlen durch das Blätterdach der Platanen schickt und den fein gekiesten Boden des "Boulodromes" sprenkelt. Es sind durchweg ältere Champions, die sich hier messen, jeder mit seiner eigenen Wurftechnik und am Ende jedes Durchgangs in heftige Diskussionen verstrickt. Einer, der selber nicht mitspielt, sondern nur untätig am Rande sitzt und wohl hin und wieder seinen Senf dazu gibt, meint, einer der Spieler täte besser daran, statt Salat mehr Fleisch zu essen, was die Akteure so zum Lachen bringt, dass sie erstmal eine Pause machen müsse. Und: den ersten Wurf macht immer die einzige Frau unter den Spielern, und sie ist immer so dermassen nah an der ausgelegten kleinen Kugel, dass die nachfolgenden Spieler sich wirklich bemühen müssen, um das wieder wett zu machen. Obwohl ich nur anhand der Gestik und Mimik verstehe, worum es geht, amüsiert mich das Schauspiel königlich und ich schaue ihnen zu, bis sie kurz vor dem Abendessen ihr Spiel beenden und nach Hause gehen. Mir gefällt es hier! |
||||||||||||||||||||||||||||
| weiterlesen - zurück zur Titelseite - zurück zur Homepage | |||||||||||||||||||||||||||||