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Sonntag, 10. Mai. Von Sinzing nach Amberg (67 Km)

Nachts fängt es wieder heftig zu gewittern und zu regnen an und irgendwann geht auch noch die Feuerwehrsirene los. Dafür wird es heute wieder ein schöner und sonniger Morgen. Gefrühstückt, den Gaul gesattelt, alles schon Routine am zehnten Reisetag. Es ist ein absoluter Luxus, wenn man genügend Zeit zur Verfügung hat und sich nicht gedrängt fühlen braucht. Ich koste das diesmal so richtig aus. Die Routen mal nicht unter dem Gesichtspunkt der zeitlichen Machbarkeit zu planen, ist schon ein Genuss. Gemächlich ziehe ich los, rolle den steilen Weg in den Ort hinunter, suche wieder Anschluss an den Donauradweg und radle die paar Kilometer bis zur Naabmündung bei Maria Ort. Das ist für mich schon irgendwie eine besondere Stelle, an der sich die Wasser des kleinen Flusses in die Fluten der Donau ergiessen und mit ihr fortgerissen werden…

Hier ist nun ein Eckpunkt dieser Reise erreicht. Von nun an radle ich nach Norden und möchte jetzt erstmal den sehenswerte Gegend von hier bis zum Städtchen Kallmünz erleben. Der ruhige Weiden gesäumte Fluss, Angler, Enten und Schwalben, Sonntagmorgenstimmung. Das ändert sich allerdings langsam und immer mehr Radfahrer bevölkern den Weg entlang der Naab. Es sind mehr Radler mit Gepäck unterwegs, als ich die letzten Tage über gesehen habe. Das liegt vielleicht daran, dass dieser Abschnitt hier zum Fünf Flüsse Radweg gehört. Bald bin ich in Kallmünz, ist ja nicht weit. Die Stadt putzt sich von Jahr zu Jahr mehr heraus und scheint auch immer mehr Touristen anzulocken. Kein Wunder, sieht schliesslich recht schmuck aus, wie sich die Häuschen da an oder unter die Felsen schmiegen.

Auf früheren Reisen bin ich immer der Naab entlang weiter gefahren, und nach der Brücke rechts abgebogen. Heute dagegen wende ich mich nach links und folge einem anderen Flüsschen, nämlich der Vils, deren begleitender Radweg mich bis zu meinem Etappenziel, der Stadt Amberg, bringen wird. Bis Schmidmühlen ist dieser Weg asphaltiert und das ist nun wirklich schön: ein kleines Flusstal und optimale Wegführung. Ganze zwölf Kilometer lang ist mir dieses Vergnügen vergönnt, bevor ab Schmiedmühlen wieder mal eine still gelegte Bahntrasse herhalten muss. Das tut der Landschaft zwar keinen Abbruch, schmälert aber durch die einschläfernde Monotonie der oft kerzengeraden Wegführung den Radlgenuss.

Immerhin bin ich auf dieser Route recht schnell in Amberg. Eigenartigerweise war ich noch nie hier, obwohl die Stadt gar nicht so weit weg von Oberviechtach, meinem Geburtsort, liegt. Doch wir waren damals immer eher nach Regensburg oder Weiden orientiert und Amberg ist irgendwie immer ausgeklammert worden. Dann halt jetzt - lieber spät als nie. Ich schau mir natürlich erstmal die Stadtbrille an, bevor ich mein Hotel aufsuche. Später schlendere ich die ganze Altstadt ab und verbringe lange Zeit auf dem Marktplatz mit dem gotischen Rathaus und der Basilika. Hier gefällt's mir wirklich…