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Montag, 17. August 2009

Von Bonnevalle nach Oucques (55 Km)

         
Heute Morgen erneut Dunst/Nebel und Nordwind. Das ist erstmal schon in Ordnung so. Heiss wird's eh früh genug werden...

Erneut reiht sich Weizenfeld an Weizenfeld, schier endlos ziehen sie sich bis zum Horizont. Auffällig ist, dass man kaum Vögel sieht. Ein paar Tauben, eine Handvoll Krähen, das ist alles. Kein kreisender Bussard oder Milan, kein rüttelnder Falke. In den Dörfern gibt's wenigsten Schwalben und Spatzen, ansonsten wirkt alles so seltsam trist und verloren. Eigenartig. Immerhin sehen wir einige Feldhasen und zwei Rehe. Bei Montigny-le-Gannelon, das von einem markanten Schloss überragt wird, stossen wir erneut auf den Loir. Da wird's dann gleich wieder sehenswert, wie gestern schon in Alluyes: eine Mühle, altes Gemäuer, viel Grün. Endlich. Man kann das schnell satt bekommen, dieses verdorrt-knorrige Erscheinungsbild der Landschaft.

Ein paar Minuten später sind wir im geschäftigen Ort Cloyes-sur-le-Loir, wo man sich mit Proviant eindecken kann. Von hier aus radeln wir im Prinzip entlang des Loir, dessen Ufer von Wochenendhäuschen gesäumt werden. Kurz vor Morée verlassen wir den Fluss, müssen das erste Mal auf dieser Reise ein bisschen klettern und erreichen über La Bosse dann unseren Etappenort Oucques. Und wieder sind die Temperaturen jenseits von gut und böse.

 
 
Da unser Hotel über keinen Gartensitzplatz verfügt und es im Ortskern bezeihungsweise dem "Geschäfts-zentrum" kein Strassencafé oder sonst einen ruhigen und schattigen Ort gibt, verbringen wir den Nachmittag lesend/schreibend/sinnierend auf den Treppenstufen der Kirche, immer auf der Suche nach einem der Sonne abgewandten Plätzchen. Obwohl uns das am Anfang recht langweilig dünkt, tut es uns gut und im Laufe des Nachmittags gefällt es uns in Oucques sehr gut und die Stunden vor der Kirche sind sehr entspannend und erholsam. Und abends gibt es das erste richtige französische Abendessen - von 19:30 bis 22:00 tafeln wir im Restaurant unseres Hotels, über dessen Inneneinrichtung, bunt zusammengewürfelt aus lila-grünen 70er Jahre Sitzgarnituren und Stilmöbeln, wir uns keine abschliessende Meinung bilden wollen. Mutig ist's auf jeden Fall…


Ich schreibe "das erste richtige französische Abendessen", weil wir uns in Chartres eher wie nebenbei mit einer komischen Quiche Lorraine zufrieden gegeben haben und gestern im Bois de Guibert aufgrund des abends geschlossenen Restaurants lediglich eine kalte Platte auf uns wartete, die allerdings sehr gemundet hat.

Doch hier in Oucques speisen wir sehr sehr gut. Aber das mit dem für uns ungewohnt spätem Essen ist schon so eine Sache. Seit wir nicht mehr mit Zelt und Kocher in Frankreich unterwegs sind, haben wir immer so unsere Probleme damit. Im Laufe dieser Reise finden wir aber eine Lösung: wir essen mittags in den Restaurants eine Kleinigkeit, füttern um drei oder vier Uhr noch ein Sandwich nach und halten dann gut durch, bis um 19:00 oder 19:30 die Restaurants öffnen und man eine halbe Stunde später zumindestens schon mal das Entrée auf dem Tisch hat…