Wir warten morgens an der Anlegestelle darauf, dass man uns an Bord lässt. Wie üblich sind wir schon recht früh da und sitzen in der Sonne, während das Schiff für den Ansturm der Fahrgäste vorbereitet wird. Ein Taxi fährt vor. Ein Herr in Uniform steigt aus und sieht sich um. Er kommt auf mich zu, fragt mich nach meinem Namen und ob ich mich ausweisen könne, falls ja würde er mir meine Kreditkarte übergeben, die ich im Hotel beim Bezahlen nicht mehr an mich genommen hatte… So kann's gehen. Beim Plaudern mit netten Hotelangestellten vergisst man sich schon mal. Aber das nenne ich Service! Ich bin ganz hin und weg! Die gute Dame vom Hotel Mainzer Hof bekommt auch prompt eine Ansichtskarte mit Dankesworten geschickt.

Eine Schifffahrt kann richtig Laune machen, besonders bei diesem Wetter. Bis Bingen sitzen wir oben auf dem Promenadendeck, bevor Reisegruppe um Reisegruppe zusteigt und der Geräuschpegel spürbar ansteigt. In jeder Gruppe muss es anscheinend immer einen Platzhirsch geben, der lautstark das Zepter in der Hand hält und einfach seine Klappe nicht halten kann. Als ob die Beschallung mit deutschen Schlagern aus den Bordlautsprechern nicht eh schon zuviel des Guten wäre. Ich weiss schon, warum ich Gruppenreisen nicht so gerne mag. Irgendwann haben wir genug gesehen und gehört und es zieht uns ins weitaus ruhigere Schiffsinnere.

Die allseits bekannten Burgen und Städtchen am Rheinufer wandern vorbei - Burg Katz, die Burg Pfalzgrafenstein, Bacharach oder Lorch - immer wieder auch Sandbänke und kleine Inseln mit Möwen und Kormoranen, die ihre ausgebreiteten
 

Schwingen in der Sonne trocknen. Wir schippern an der Loreley vorbei und legen am frühen Nachmittag in Lahnstein an, wo wir von Bord gehen und uns mit den Rädern einen Weg zur Lahn suchen.

Den Lahntalradweg gefunden, wollen wir flussaufwärts bis nach Bad Ems radeln, wo wir heute übernachten und den Tag gemütlich ausklingen lassen werden. Das Lahntal ist hier eng und mit bewaldeten Hügeln oder Bergen umgeben, da muss man sich nach der Weite der letzten Tage erst mal akklimatisieren. Der Radweg am Fluss ist recht schmal und es geht an einigen Stellen eine steile und ungesicherte Böschung mit kantigen Steinen entlang. Da möchte ich wirklich nicht hinunter stürzen, Helm hin oder her. Man fragt sich schon, ob es da angesichts der vielen Radfahrer, unten denen sich eine Menge, sagen wir mal: weniger Geübte befinden, nicht gelegentlich zu Unfällen mit mittelschweren Konsequenzen kommt.

Nun, Bad Ems ist bald erreicht, unser Hotel ist bald gefunden, und einem gemütlichen Tagesausklang steht nichts mehr im Wege. Ein Kurort besitzt normalerweise auch einen Kurpark und hier im Bad Emser versucht sich ein Trio an allseits bekannten Operettenweisen ("…komm Zigan, komm Zigan, spiel mir ins Ohr…"), wir sitzen lauschend im Schatten mächtiger Bäumen, gönnen uns ein ebenso mächtiges Eis und lassen uns berieseln.

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