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Marburg ist um halb neun allerhand los auf den Radwegen. Da streben strebsame
Studenten zu ihren Vorlesungssälen in die Stadt. Wir dagegen streben
aus der Stadt. Bis Cölbe bleiben wir der Lahn noch treu, dann biegen
wir nach Südosten ab, folgen der Beschilderung des Hessisches Fernradwegs
R2 und wollen während unserer letzten Reisetage noch bis Fulda kommen.
Das wäre, was die Distanz anbelangt, noch prima zu bewerkstelligen.
Es soll aber anders kommen. Wir umrunden die Lahnberge und die Landschaft wir allmählich weiter und leicht wellig. Schräg vor uns liegt ein Kegelberg, auf dessen Kuppe eine Festung zu sehen ist. Das ist Amöneburg. Lange ist diese markante Erhebung in unserem Blickfeld, während wir an Kirchhain vorbeiradeln und daraufhin Stadtallendorf anpeilen, wo mal wieder eine kleine Pause angesagt ist. Heute läuft es wieder mal so richtig gut und wir freuen uns über die Routenführung. Diese eher unbekannteren Radfernwege haben es - im positiven Sinne -in sich. Grad in Hessen sind mir bisher immer gut ausgeschilderte und befahrbare Wege begegnet. Dazu kommt noch, dass sie deutlich weniger frequentiert sind als die üblichen Klassiker. Nach Stadtallendorf radeln wir länger durch bewaldetes Gebiet, überwinden noch eine Hügelkette und überqueren die Wasserscheide Rhein-Donau, bevor wir etwas später das Tal der Antrift entlang fahren. Wenn man es nicht selber erlebt hätte, würde man die folgende Episode nicht für möglich halten. Jeder andere würde es als Effekthascherei bezeichnen, als billigen dramaturgischen Trick, und wenn jemand das hier nicht glauben will, so sei es ihm anheim gestellt. Und doch verhält es sich so: Um die Mittagszeit verdichten sich nämlich die Wolken ringsum und es liegt eindeutig ein Gewitter oder zumindest Regen in der Luft. Das erste Mal auf dieser Reise ziehen wir uns die Regensachen über und kurz darauf bricht auch schon ein sintflutartiger Platzregen los. Als das Spektakel beginnt, sind wir in der Nähe der Staumauer, die das Flüsschen Antrift zu einem See anstaut. Jetzt etwas zum Unterstellen, eine Gaststätte, vielleicht sogar |
schon eine Bleibe
für die Nacht! Und was passiert? Wir erklimmen die Staumauer, erblicken
den aufgewühlten See und an dessen Ufer, keine zweihundert Meter
von uns entfernt, ein mit Sicherheit zu gastwirtschaftlichen Zwecken
bestimmtes Gebäude. Wer Fantasie hat, kann sich den Rest schon
denken
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